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Sonntag, 16.01.2022

„Man erreicht Leute, die man kennt“

Die Bildungsausschüsse haben, gemeinsam mit den Bibliotheken und dem Bibliotheksverband, das Jahr 2021 wesentlich mitgestaltet. Warum ist deren Rolle so wichtig?

Das Landespresseamt spricht im Beitrag vom 13. Jänner Südtirols Bildungsausschüssen eine Rolle in der Zusammenarbeit mit den neu eingeführten Nachhaltigkeitsbeauftragten der Gemeinden zu. Sie sind wichtige Schnittstellen zur Bevölkerung und tragen maßgeblich dazu bei, Südtiroler Gemeinden nachhaltiger zu gestalten. Matthias Oberbacher erklärt warum.

Matthias Oberbacher betreut als Leiter der Bezirksservicestelle Eisacktal/Wipptal 29 Bildungsausschüsse, die lokale Vereine in den Gemeinden vernetzen und die Weiterbildung im Dorf fördern. Insgesamt hat Südtirol 136 Bildungssauschüsse, die von acht Bezirksservicestellen koordiniert werden.[JT1]

Sie haben einmal gesagt: „Bildungsausschüsse sind das Fundament für die Sensibilisierung zum Thema Klimawandel.“ Inwiefern?

Matthias Oberbacher: Bildungsausschüsse koordinieren die Bildungstätigkeit im Ort und organisieren selbst kulturelle und pädagogische Veranstaltungen. Daher erreichen sie einen Großteil der Bevölkerung im Dorf. Und genau da, im Lokalen, muss Nachhaltigkeit ansetzen. Bildungsausschüsse haben auch schon vor dem Netzwerk für Nachhaltigkeit gefragt: Wie können wir Regionalität wieder herstellen? Wie können wir im Dorf nachhaltig leben? Sie haben somit eine gewisse Sensibilität für diese Themen und wissen, wo im Dorf angesetzt werden muss.

Das Klima kann vom Einzelnen oder von einer Dorfgemeinde nicht gerettet werden. Warum ist eure Sensibilisierung trotzdem wichtig?

Wen man von Maßnahmen gegen den Klimawandel spricht, geht es doch vorallem darum, den Franz oder die Marie oder die Fatima im Dorf anzusprechen. Egal wie sie heißen, wir müssen die einzelnen Menschen erreichen, wir müssen jetzt ein Umdenken anstoßen. Und dafür braucht es zum Beispiel den Nachbarn, der regional bei einem Bauern einkauft, und diese Nachricht dann im Dorf zirkuliert, damit auch andere mehr regional einkaufen. Denn die Leute erreicht man viel mehr, wenn man sich kennt. Und hier ist der Bildungsausschuss sicherlich gut angesiedelt.

Wie kam die Bezirksservicestelle Eisacktal/Wipptal zum Netzwerk?

Wir haben uns gegenseitig gesucht und gefunden (lacht). Zuerst war die Kollegin von der Bezirksservicestelle Etschtal/Unterland bei einem Netzwerktreffen dabei, dann die Kollegin der Stelle Salten/Schlern. Dann bin ich auch hineingerauscht und irgendwann waren wir alle drinnen!

Hat sich an eurer Arbeit etwas geändert, seid ihr Teil des Netzwerks seid?

Bildungssauschsüsse sind ja schon ein Netzwerk. Aber durch Zusammenarbeit mit dem Netzwerk ist die Verbindung unter den Bezirksservicestellen nochmal stärker geworden und wir wurden auch sensibler zum Thema Nachhaltigkeit. Bei unseren Sitzungen zum Beispiel greifen wir immer wieder darauf zurück, wie die Kreisgespräche in den Bibliotheken verliefen, welches die nächsten Schritte sind, welche Klimakreise sich daraus gebildet haben.

Können Sie mir von einigen Projekten erzählen, die in den Bildungsausschüssen gerade laufen, mit dem Ziel der Nachhaltigkeit?

Heuer starteten die Bildungsausschüsse Mauls, Trens und Stilfes das Projekt "Natur erleben". Durch verschiedene Veranstaltungen sollen die Leute die Natur stärker wertschätzen und erhalten lernen. Es werden zum Beispiel Biotope besichtigt, Kräuterwanderungen gemacht oder Bienen- und Insektenhotels gebaut. Oder anderes Beispiel: Mehrere Gemeinden haben Gemeinschaftsgärten angesetzt. Unter anderem haben wir Spätroggen gepflanzt, ihn im nächsten Jahre geerntet und Brot daraus gebacken. Uns geht es also auch darum, altes Brauchtum wiederzubeleben. Weil früher haben wir ja alle regional und autark gelebt. Ein weiteres Beispiel sind die Repair-Cafés, die über die Bildungsausschüsse im Pustertal laufen – da können Leute ihre Sachen zum Reparieren abgeben, anstatt es wegzuwerfen und was Neues zu kaufen. Auch hier soll den Leuten gezeigt werden, dass man viel mehr wiederverwerten kann, als man oft denkt.

Sie vernetzen lokale Vereine miteinander. Wie sensibel sind diese, in Ihren Augen, zum Thema Nachhaltigkeit und wo hingegen muss noch Bewusstsein gefördert werden?

Die Klimadebatte ist schon überall angekommen. Aber dass dadurch Vereine automatisch sensibel sind, glaube ich nicht. Da haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Immer noch fahren zum Beispiel viele Leute mit dem Auto zur Chorprobe, statt mit dem Fahrrad. Oder wenn man mit einem Feuerwehrmann spricht, können sich die wenigsten vorstellen, E-Autos zu beschaffen.

Wie kann man die Leute motivieren, bewusst nachhaltige Entscheidungen in ihrem Alltag zu treffen?

Unsere Aufgabe ist es, die Leute dazu zu bringen, kleine Schritte wenigstens zu probieren. Wir müssen vermitteln, dass solche kleinen Veränderungen schon viel bewirken können. Wenn ich etwa mit dem Fahrrad zur Feuerwehrprobe fahre, dann tue ich etwas gutes für meine Gesundheit, für die Umwelt und vielleicht ist es noch ein sozialer Treffpunkt, wenn wir gemeinsam mit dem Fahrrad zur Probe fahren. Wenn die Leute das merken, dann verändern sie ihre Verhaltensmuster automatisch auch nachhaltig.

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